Astrid Lowack 2021

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ASTRID LOWACK – Fotografie

 

THE ELEMENTS OF TRANSCENDENCE

 

11. 07. 2021 – 29. 08.2021

 

D

ie Künstlerin ist 1969 in Bamberg geboren und widmet sich seit 2011 der Fotografie. Die Arbeiten der Künstlerin beschäftigen sich – der Tradition des Impressionismus folgend – mit dem Spiel von Licht, Farbe und Form. Durch die Konzentration auf Details schafft Astrid Lowack eine Hyperebene, die die realistische Darstellung zugunsten einer eigenständigen Interpretation in den Hintergrund treten lässt.

Die Ausstellung steht in direktem Zusammenhang mit den gleichnamigen Ausstellungen im Museum für Kulturgeschichte in Dortmund 2020 und im Museum Moderner Kunst Wörlen in Passau in diesem Jahr. Zu den drei Ausstellungen ist ein umfangreicher gemeinsamer Katalog erschienen.

Die Werke der international aufstrebenden Künstlerin geben Gefühle und Stimmungen preis in den Schwingungen und Bewegungen der Farben. Ihr Element ist das Licht, das ihre Fotografien mit einer betörenden, poetischen Präsenz erscheinen lässt. 

Die Fotografien von Astrid Lowack haben jene seltene Strahlkraft, wie sie zu finden ist in barocken Kirchgewölben, wenn diese in völliger Abstraktion Himmelslandschaften entfalten. Der fotografischen Wirkung ihrer Arbeiten kann sich der Betrachter kaum entziehen. Er darf sich einlassen auf eine Begegnung mit Farbe und Licht, die nicht mehr in Begriffe überführt werden kann. Dem künstlerischen Ausdruck kann nichts Besseres gelingen als eine eigene unvertretbare Wirklichkeit zu schaffen. 

Astrid Lowack lebt und arbeitet in der Nähe von Amsterdam. 

 

Tatendrang, 2018, Print auf Diasec, 160 x 160 cm © Astrid Lowack / Samuelis Baumgarte Galerie

 

 

Fairytale, 2019, Print auf Diasec, 120 x 120 cm © Astrid Lowack / Samuelis Baumgarte Galerie

 

 

Sunny Mind, 2019, Print auf Diasec, 100 x 100 cm © Astrid Lowack / Samuelis Baumgarte Galerie

 

 

Tatendrang, 2019, Print auf Diasec, 200 x 200 cm © Astrid Lowack / Samuelis Baumgarte Galerie

Impressionen von Aufbau und Eröffnung

 

Aufbau der Ausstellung

 

Zur Eröffnung

 

Zur Eröffnung

Blicke in die Ausstellung

 

 

 

 

 

Zu den Bildern von Astrid Lowack

Klaus Honnef

 

Die Kunst der Moderne hatte dem Illusionismus den Kampf angesagt. Und mit ihm der Perspektive, ihrem entscheidenden Werkzeug. Die glatte Bildfläche war ihre Spielstätte, und deren Betonung eine conditio sine qua non jeder avancierten Malerei und Zeichnung. Die Kunst der Post-Moderne vollführte einen U-Turn und steigert beständig die Möglichkeiten des Illusionismus‘ über alle bisher erreichbaren Grenzen hinaus. Die Instrumente liefern ihr die Algorithmen des digitalen Programms. In letzter Konsequenz werden sie die dünnen Trennfolien zwischen Realität und Illusion verschwinden lassen und eine Realität aus dem Rechner schaffen. Die Brücke zwischen moderner und nach-moderner Kunst – einer Kunst noch ohne Begriff – schlug das technische Medium der Fotografie.

Der Fotografie haftet gleichwohl der Ruf an, die optische Wahrnehmung der sichtbaren Wirklichkeit verlässlicher zu vermitteln als die Illusionsmalerei, in „unnachahmlicher Treue“, wie es Alexander von Humboldt formulierte. Obwohl auch das naive Sehen ein fotografisches Bild nicht mit dem unmittelbaren Augenschein des Sichtbaren verwechselt, erkennt man fotografischen und vergleichbar konstruierten Bildern nach wie vor ein hohes Maß dokumentarischer Qualität zu, betrachtet sie als eine Art authentischer Zeugnisse dessen, was sie zeigen. Die Realität in Form ihrer Vergangenheit.

Im Licht dieser Auffassung müssen die fotografischen Bilder der Künstlerin Astrid Lowack im identischen Format von jeweils hundert Zentimetern im Quadrat aus dem Rahmen der Konvention der fotografischen Übereinkunft fallen. Auf den ersten Blick muten sie wie abstrakte Gemälde an – mit dem Unterschied, dass sich ihre Textur hinter und nicht auf der Oberfläche der Bildfläche entfaltet. Oder anders ausgedrückt: Ihr Appell an die Hand der Betrachter, an deren taktilen Sinn erfolgt nicht unmittelbar, ist vielmehr allein Produkt der Vorstellungskraft. Bei direkter Überprüfung entpuppt er sich als Aufruf zur Täuschung.

Das unaufhörliche Oszillieren zwischen Täuschung und Ent-Täuschung, zwischen Bild und Abbild, zwischen Realität und Imagination ist zweifellos künstlerische Absicht. Indizien dafür, wenn auch bisweilen trügerische, deuten die Bild- und die Bildserientitel der Bildfolgen, die in einem bestimmten Zusammenhang stehen, an. So ist eine fulminante Reihe „Open Mind“ (2017) benannt, und ihr Titel ist die Aufforderung an die Betrachter, den Bildern unbefangen gegenüber zu treten, trotz der Irritationen, die sie zweifellos auslösen. Eine Aufforderung, die nicht ganz leicht fällt. Denn die Bilder der Künstlerin sind ihrerseits offen. Und die Irritation, die sie auslösen, rührt gerade daher, dass sie sich jeder Wiedererkennbarkeit entziehen. Ein einzelnes Bild trägt zudem den Titel „In Disguise“ (2016), eine adverbiale Bezeichnung, die so viel wie maskiert, getarnt, verkleidet heißt. Und der schöne poetische Titel „Burning Water“ (2015) verweist auf ein Phänomen, das den Horizont der Sphäre des Realen übersteigt. Als „Fotoillusion“ bezeichnet Astrid Lowack die Richtung, der ihre Kunst folgt, mit Grund.

Für alle Bilder der Künstlerin gilt jedoch, dass sie im strengen fotografischen Sinne untypische fotografische Bilder sind. Ihre Referenz bleibt unklar. Weder die sichtbare Realität noch die fotografische Technik als solche drängen sich auf. Noch schwerer dürfte ihre kategoriale Zuordnung sein. Sie als abstrakte Bilder zu apostrophieren, ist zwar auf den ersten Blick naheliegend. Doch schon ein zweiter verrät einen Formenreichtum, der nicht von dieser Welt zu sein scheint und dennoch Erinnerungen von Erscheinungen erzeugt, die in Umrissen vertraut sind und diese beschwören. Sei es durch eigene leibliche Erfahrungen, sei es durch Seh- und Bilderfahrungen etwa von Kino oder Fernsehen und von Welten im Kleinen, die nicht ohne weiteres ins Auge fallen. Unwillkürlich assoziiert man geheimnisvolle Höhlen mit bizarren Klüften und Riffen oder wunderbare Unterwasserlandschaften mit ihrem farbenfrohen Gepräge. Ich weiß, dass Künstler, deren Kunst unentdeckte Terrains erkunden, wenig erfreut sind, wenn Betrachter sie mit vertrauten Dingen in einen Zusammenhang bringen. Da ich einmal zugegen war, wie ein großer Maler sein Bild zerstörte, nachdem ein Kritiker ein Gesicht darin zu erkennen glaubte, werde ich mit außerbildnerischen Bezügen in Sachen der Bilder von Astrid Lowack vorsichtig sein.

Andererseits ist auch ein kritischer, ein geschulter Blick nicht gefeit vor derlei Versuchung. Bereits der Operateur der Wahrnehmung, das Gehirn, gleicht die vom Auge empfangenen und weitergeleiteten visuellen Reize und Stimulationen mit der Fülle gespeicherter Bilder ab, um Orientierung zu bieten. Es ist die Kunst der Künstler, diese Reaktionen des vermeintlichen „(Wieder)-Erkennens“ unaufhörlich zu durchkreuzen, ohne dass sie die Versuche in dieser Hinsicht zugleich ersticken. Nur dadurch entstehen die Oszillationen, die einen Teil des ästhetischen Potentials eines Bildes ausmachen und erst dessen Faszination befördern.


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